"Trump und die Kurden: Ein eiskaltes Kalkül"

Eiskaltes Kalkül: Warum Donald Trumps USA die Kurden in Syrien fallen ließen, erklärt „Krone“-Außenpolitikexperte Kurt Seinitz

Im Zuge der Syrienkrise haben die Kurden eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den IS-Kalifenstaat eingenommen. Sie trugen die Hauptlast bei der Bekämpfung dieser terroristischen Organisation, die großen Teilen des Landes und der Region erheblichen Schaden zufügte. Trotzdem wurden die Kurden trotz ihrer bedeutenden Beiträge von den USA im Stich gelassen, was ein eiskaltes kalkuliertes politisches Manöver der Regierung unter Donald Trump offenbart.

Die Entscheidung, sich von den Kurden abzuwenden, fiel in einem sensiblen geopolitischen Kontext. Nach dem Rückzug der US-Truppen aus bestimmten Gebieten in Nordostsyrien sahen sich die Kurden schnell der türkischen Offensive gegenüber, die sich gegen sie richtete. Die Türkei betrachtet die kurdischen Milizen, insbesondere die YPG, als Terrororganisation und eine Bedrohung für ihre nationale Sicherheit. Dies führte zu einem dramatischen Wechsel in der Situation vor Ort, als die Kurden, die zuvor als Verbündete der USA agierten, plötzlich isoliert und vulnerable waren.

Kurt Seinitz, der Außenpolitikexperte der „Krone“, erklärt, dass Trumps Entscheidung stark von innenpolitischen Überlegungen geprägt war. Der amerikanische Präsident stand unter Druck, seine Wahlversprechen zu erfüllen und die US-Truppen aus dem „endlosen Krieg“ im Nahen Osten abzuziehen. Dies brachte ihn dazu, militärische Allianzen und strategische Partnerschaften, die über Jahre gewachsen waren, kurzfristig zu ignorieren, um politisches Kapital zu gewinnen.

Die Auswirkungen dieser Entscheidung sind weitreichend und tragisch. Die Kurden, die im Kampf gegen den IS nicht nur bedeutende militärische Erfolge erzielten, sondern auch eine demokratische Selbstverwaltung in den von ihnen kontrollierten Gebieten etablierten, wurden in eine existenzielle Krise gestürzt. Diese Abkehr von den Kurden führte nicht nur zu einer humanitären Katastrophe, sondern auch zu einem Machtvakuum, das erneut militantistische Gruppen und andere Akteure anzieht, die die destabilisierte Region für ihre eigenen Zwecke nutzen können.

Darüber hinaus wirft Trumps Politik in Bezug auf die Kurden Fragen zur langfristigen Strategie und den moralischen Grundlagen der amerikanischen Außenpolitik auf. Das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner wurde erheblich beschädigt, sowohl bei den Kurden als auch in der weiteren Region. Die geopolitischen Folgen dieser Entscheidung sind bereits spürbar, da sich andere Länder möglicherweise ermutigt fühlen, ähnliche Wege zu gehen und bestehende Allianzen zu hinterfragen.

In Anbetracht all dieser Faktoren bleibt zu fragen, ob die kurzfristigen politischen Gewinne, die aus der Unterstützung der türkischen Position resultieren, die langfristigen Risiken und die ethischen Implikationen für die amerikanische Außenpolitik aufwiegen. Die schwerwiegenden Konsequenzen für die Kurden und die instabilen Verhältnisse in Syrien verdeutlichen, dass kalkulierte Entscheidungen in der internationalen Politik oft unvorhersehbare und katastrophale Folgen haben können.

Read Previous

"Iran und USA beenden indirekte Gespräche"

Read Next

"Kanzler Stocker: Eingeschränkte Medizin für Asylwerber"